Genderswapped Podcast

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ein Rollenspielpodcast - aber mit Frauen.

Episode 11 - Kulturelle Aneignung in Fantasy- und Rollenspielwelten

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Das Sensitivity Reading-Projekt

Rice and Shine zum Thema Yellowfacing und Fasching

Artikel bei Vice: Ich bin Indigener und finde eure Indianerkostüme nicht lustig.

Asians Represent: Orientalism

Hearts of Wulin

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Kommentare

Vicarocha
by Vicarocha on 07. September 2019
Hallo Judith, ich wollte eigtl. Keine Diskussion starten, möchte dir aber dennoch antworten, jedoch in Form von sechs Thesen, die eindringlich demonstrieren sollten, warum ich nicht nur den Begriff der kulturellen Aneignung ablehne, sondern auch das Phänomen per se resp. eine Problematisierung kultureller Übernahmen i.d.R. negiere: These 1: Was im Gros des ideologischen Diskurses despektierlich als "Aneignung" desavouiert wird, ist de facto Adaption, Assimilation, Inkorporation etc. von Kulturphänomenen (Praktiken, Produkten, Symbolen etc.) in den eigenen idiosynkratischen Kulturhabituts resp. die eigene diesbzgl. Identität, bspw. aus Gründen simpler Habitualisierung, des Pragmatismus u./o. der (immanent wertschätzenden) Überzeugung, dass diese Extension des Individuums i.w.S. positive Effekte für dasselbe und ggf. gar die Gesellschaft zeitigt. Es handelt sich also um kulturelle Übernahmen, nicht Aneignungen (ungeachtet eines ggf. klischeeartigen Charakters). These 2: Das Pejorativum der kulturellen Aneignung zeitigt keinen Mehrwert für den Diskriminierungsdiskurs: Ridikülisierung, Diminutivisierung, Diffamierung, Marginalisierung, Rassismus u.ä. devalvierende Praktiken ggü. Kulturprodukten und -symbolen, kulturellen Praktiken und Identitäten resp. Kultur per se sind terminologisch/definitorisch bereits hinreichend erfasst und kategoriell nicht Dasselbe wie die vmtl. kulturelle Aneignung. Der Vorwurf der kulturellen Aneignung differenziert aber/eben nicht zwischen diesen devalvierenden Praktiken einerseits und unproblematischen kulturellen Übernahmen andererseits, verzerrt infolgedessen den Diskurs (d.h. kulturelle Aneignung ist essentiell nicht existent). These 3: Einzelne Kulturschaffende (das beinhaltet auch Interessengruppen u.ä.) innerhalb einer dezidierten Kultursphäre haben keine Suprematie resp. Deutungshoheit ggü. der ihrerseits geschaffenen Kultur, sie entscheiden nicht über die Legitimität resp. Illegitimität kultureller Übernahme und können dies auch nicht, da Kultur (a) nicht monolithisch, vulgo nicht kanonisch, statisch oder exklusiv und (b) nicht Eigentum einzelner Individuen u./o. Interessengruppen innerhalb einer Kultursphäre ist. Ergo indiziert die Indignation ggü. kulturellen Übernahmen ausschl. die nicht generell schützenswerte Idiosynkrasie der Betroffenen, nicht die Auffassung der Kulturschaffenden per se (die auch nicht sonderlich relevant wäre) und ist das Blagieren als Wächter und Wahrer einer kulturellen Reinheit anmaßend und seinerseits nicht legitimiert/legitimierbar. Mithin ist kulturelle Übernahme ein die Menschheit seit der Steinzeit positiv prägendes Phänomen, ohne dass wir zur Stagnation verdammt wären und unsere Entwicklungsphase als Jäger und Sammler mglw. nicht überlebt hätten. These 4: Kulturen resp. Kulturprodukte und praktiken sind nicht gleichwertig, d.h. nicht per se (gleich) schützenswert und insb. generell nicht sakrosankt, ja sie sind z.T. verachtenswert. Als Bsp. mögen die (religiös-)kulturelle Praxis der Beschneidung, die seitens der Reichskulturkammer diktierte Kultur des 3. Reichs oder die in der Kulturrevolution mündenden maoistischen Kulturauffassungen. These 6: Die (pauschale) Viktimisierung von Kulturspendern wie auch die Nichtübernahme resp. Diabolisierung der Übernahme von Kulturphänomenen aus Gründen eines vmtl. Respekts ggü. diesen Spendern ist das Resultat einer generell unangemessenen (ideologisch evozierten/motivierten) Hypersensibilisierung ggü. idiosynkratischen (ggf. irrationalen, arbiträren etc. und nicht per se schützenswerten) Befindlichkeiten (wo ein "dickeres Fell" angemessener wäre), zollt nicht den Kulturschaffenden Respekt und ist nicht bereichernd, sondern protegiert im Gegenteil einer unrealistisch monolithischen Kulturauffassung resp. einem (rassistischen, folglich anomischen) Essentialismus (der auch Multikulturalismus ad absurdum führt); die Argumentation und Motivation der sog. identitären Bewegung ist diesbzgl. kaum bis gar nicht von derjenigen aktueller(er) Iterationen des Feminismus differenzierbar. BG P.S.: Filmtipp zur Thematik: "Dead Man" (1995) von Jim Jarmusch.
Judith
by Judith on 05. September 2019
Dass es koloniales und postkoloniales Machtgefälle gibt, das auch heute noch wirkmächtig ist und zu kultureller Marginalisierung führt, ist aber schon klar, oder? Inwiefern du den Begriff nun ablehnst oder nicht, wenn wir unsere Gesellschaft dekolonisieren wollen, ist Respekt angebracht, den wir weißen Europäer*innen jahrhunderteland haben missen lassen. Tut doch auch nicht weh - ist hoffentlich sogar sehr bereichernd.
Vicarocha
by Vicarocha on 05. September 2019
Der Vorwurf kultureller Aneignung demonstriert ein unreflektiert-monolithisches (vulgo fehlsames) Kulturverständnis: "Der Vorwurf der cultural appropriation verteidigt eine vermeintlich homogene, authentische Kultur der Subalternen gegen ihre kolonialistisch-kulturindustrielle Ausbeutung – eine Argumentation, die nicht mehr zwischen rassistischer Karikatur und kulturellen Vermischungsprozessen unterscheidet und reaktionäre Vorstellungen von kultureller Reinheit impliziert" (Anja Hertz, s. https://www.akweb.de/ak_s/ak613/28.htm). Diese "reaktionäre[n] Vorstellungen von kultureller Reinheit" erfüllen somit selbst Merkmale des Rassismus. Prinzipiell hat es u.a. ja auch bereits (ohne Triggerwarnung) Jordan Pterson formidabel formuliert: "The idea of cultural appropriation is nonsense, and that's that. There's no difference between cultural appropriation and learning from each other. They're the same thing. Now, that doesn't mean that there's no theft between people; there is. And it doesn't mean that once you encounter someone else's ideas, you have an absolute right to those ideas as if they're your own. But the idea that manifesting some element of another culture in your own behavior is immoral is insane. It's actually one of the bases of peace" (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=NNUcR-eMxaE). Wenn man nicht selbst darauf kommt, hätte eigtl. auch schon ein Blick in die einschlägigen deutsch- und englischsprachigen Wikipediaartikel genügt, um mit John McWhorter, Lionel Shriver und Co. realisieren zu können, was die evidenten Probleme des Konzepts der vmtl. kulturellen Aneignung sind... eigentlich.........
Lena
by Lena on 17. Juni 2019
Hallo Thomas, es geht ja nun nie darum, dass man irgendwas nicht mehr "darf", sondern darum, dass man vor dem Verfassen von Romanen, Rollenspielsettings oder dergleichen darüber nachdenken sollte, ob man Menschen damit verletzt oder ihnen das eventuell vorhandene Interesse am Hobby nimmt. Wir sagen ja auch in der Folge nicht, dass Europäer*innen keine Settings mit asiatischen oder afrikanischen Anleihen schreiben dürfen, sondern versuche aufzuzeigen, wie man das so hinbekommen kann, dass man eben nicht andere Kulturen auf besonders "tolle und exotische" Bausteine hin untersucht und die einfach wild zusammenmixt. Wie wir schon in der Folge auch sagen - es ist ein schwieriges Thema, bei dem es nicht einfach richtig und falsch oder eine Checkliste gibt. Es geht uns aber vor allem darum, überhaupt mal ein Nachdenken darüber anzuregen. Karl May ist vermutlich ein etwas skurriler, da außerhalb Deutschlands kaum bekannter Sonderfall - der Indigene aus dem Vice-Artikel hätte dazu sicherlich auch eine Meinung, die nicht besonders glücklich wäre (aber das ist jetzt Spekulation meinerseits).
Thomas
by Thomas on 17. Juni 2019
Hallo, vielen Dank für euren Podcast, der mich mittlerweile sehr für viele Dinge sensibilisiert hat, die mir vorher einfach gar nicht bewusst waren (bin halt weiß, deutsch und hetero). Mit der aktuellen Folge habe ich mir aber sehr schwer getan. Wenn ich nichts mehr machen darf, was vielleicht irgendjemanden in seinen Gefühlen verletzt, dann bin ich letztendlich zur Untätigkeit verdammt. Karl May hätte niemals seine Amerika- oder Asien-Bücher schreiben dürfen, in Rollenspielen deutscher Autoren dürften nur noch europäische Strings vorkommen usw. Ich finde das ehrlich gesagt völlig übertrieben. Natürlich muss man sensibel mit anderen Kulturen umgehen, aber in Spielen und in der Literatur sollte prinzipiell (fast) alles erlaubt sein. Im Zuge des Final-Fantasy-VII-Remakes ist mir heute außerdem aufgefallen, dass die Japaner hier auch "kulturelle Aneignung" betreiben, indem z.B. Städte wie Nibelheim und Midgar auftauchen. Ist das auch ein Problem? Hätten hier Fantasie-Namen verwendet werden sollen? Ich weiß nicht...
Judith
by Judith on 09. Juni 2019
Lieber Alrik, ich glaube, wir müssen als Weiße einfach auch ein bisschen mit der Unsicherheit leben, dass wir nicht genau wissen können, wann es Austausch ist und wann Aneignung. Ich hoffe, dass das in der Folge auch rauskam, dass Lena und ich uns da absolut nicht als die Deutungshoheit begreifen. Ich würde sagen: Natürlich darfst du kochen, was du willst! Nur, wenn du ohen Beteiligung von Syrer*innen ein syrisches Restaurant eröffnen würdest, würde es vielleicht schwierig. ;) Generell "dürfen" wir ja alles - ich glaube, wir sollten einfach offen dafür bleiben, anzuerkennen, wann andere sich unwohl mit dem fühlen, was wir tun. Danke für deinen Kommentar und fürs Hören! Judith
Alrik
by Alrik on 09. Juni 2019
Ich habe vorher noch nie über das Thema nachgedacht ihr habt aber eindeutig recht was den Doppelstandart bezüglich Kultur angeht. Es ist wirklich schlimm das Menschen nicht westlicher Kultur dafür kritisiert werden ihre eigene Kultur zu leben. Das Problem ist klar aber was ist die Lösung? Die Frage meine ich ernst. Ihr wollt ja vermutlich nicht das wir nur noch traditionell deutsche Kulturgegenstände besitzen dürfen. Um mal ein konkretes Beispiel zu nennen ich mag die nah östliche Küche und koche gern mal was Syrisches. Soll ich das jetzt lassen oder was muss ich tun damit das keine Aneignung ist?

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